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Gesetzliche Erbfolge

Liegt keine individuelle Nachlassregelung vor, greift die gesetzliche Erbfolge.
Wenn ein Mensch stirbt und es kein Testament gibt, erben die Angehörigen sein Vermögen. Das wissen die meisten noch. Die Frage, wer wie viel bekommt, ist weitaus schwieriger zu beantworten: Viele kennen sich mit der gesetzlichen Erbfolge nicht aus. Besser wäre das allerdings. Denn nur so lassen sich zu Lebzeiten unliebsame Konsequenzen verhindern – durch ein Testament oder eine Änderung im Ehevertrag. Eine Erbschaft kann auch binnen sechs Wochen ausgeschlagen werden.
Wer aber ist der gesetzliche Erbe? „Entscheidend bei der gesetzlichen Erbfolge ist die verwandtschaftliche Nähe zum Verstorbenen. Das Gesetz teilt die Verwandten des Verstorbenen in verschiedene Ordnungen ein“, erläutert Jan Bittler, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Maßgeblich ist dabei nicht unbedingt die Nähe im Zusammenleben vor dem Tod. 

In der ersten Ordnung stehen die sogenannten Abkömmlinge des Erblassers – also seine Kinder, Enkel und Urenkel. Bei der zweiten Ordnung handelt es sich um die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Vater und Mutter, seine Geschwister, Neffen, Nichten, Großneffen und -nichten. Zur dritten Ordnung zählen die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Onkel, Tanten und Cousins. Zur vierten Ordnung schließlich zählen die Urgroßeltern und deren Abkömmlinge. „Hier ist aber zu beachten, dass diese Verwandten nicht erben, wenn der Ehegatte erbt“, sagt Bittler. Das gilt auch für die theoretisch noch weiter folgenden Ordnungen wie Ururgroßeltern.  

Natürlich erbt auch der überlebende Ehepartner. Wie hoch der Anteil des Erbes für die Witwe oder den Witwer ist, lässt sich pauschal nicht sagen, wie Matthias Meyer von der Bundesnotarkammer erklärt: „Grundsätzlich erbt der überlebende Ehe- gatte zur Hälfte neben den gesetzlichen Erben der ersten Ordnung, also den Kindern oder deren Nachkommen, und zu drei Viertel neben den Eltern, deren Nachkommen oder den Großeltern. Gibt es nur noch weiter entfernte Verwandte, erbt der Ehepartner zu 100 Prozent.“ Das gelte allerdings nur, wenn die Eheleute im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebten und nicht in einem Ehevertrag die Gütertrennung vereinbart haben. Bei der Gütertrennung hängt die Erbquote von der Anzahl der Kinder ab, beträgt aber mindestens immer ein Viertel.  
Gerade die Regelungen des Ehegatten-Erbrechts seien den meisten Menschen nicht bekannt, sagt Klaus Michael Groll, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht. Er rät dazu, möglichst ein Testament aufzusetzen. Die „modifizierte Zugewinngemeinschaft“ könne zum Beispiel verhindern, dass der Partner bei einem Ehevertrag nicht von einem Teil des möglichen Erbes ausgeschlossen wird. tmn  

INFO: www.erbrechtsforum.de

 

 

Vorsorge treffen: Testament und Erbvertrag

Mit dem Tod eines Menschen - dem Erbfall – geht dessen Vermögen auf den oder die Erben über. 

Zur Erbschaft gehört das gesamte Vermögen, das zum Todeszeitpunkt beim Erblasser vorhanden ist. Dazu gehören neben Geld auch sämtliche Gegenstände, Grundstücke und daran bestehende Rechte, aber auch alle Verbindlichkeiten des Erblassers gehen bei Eintreten des Erbfalls auf die Erben über. Um eine von der gesetzlichen Erbfolge abweichende Verteilung des Nachlasses zu regeln, eignet sich in vielen Fällen die Errichtung eines Testaments. Damit wird die sogenannte gewillkürte Erbfolge festgelegt. Das Gesetz unterscheidet das private und das öffentliche Testament. 

Privates Testament

Damit ein privates Testament wirksam ist, müssen verschiedene Formalien eingehalten werden: Der Verfasser muss mindestens 18 Jahre alt sein, der gesamte Text von Hand geschrieben sowie mit Vor- und Zuname unterschrieben werden. Auch Ort und Datum der Ausstellung dürfen nicht fehlen. Wird ein Testament über mehrere Seiten verfasst, sollten diese durchgehend nummeriert werden. So ist sichergestellt, dass sich die Unterschrift auf alle Seiten des Testaments bezieht.

Öffentliches Testament

Bei einem öffentlichen Testament erklärt man seinen letzten Willen einem Notar gegenüber mündlich oder man übergibt ihm eine Schrift mit der Erklärung, dass diese den letzten Willen beinhaltet. Im Gegensatz zum privaten Testament braucht eine solche Schrift nicht von Hand geschrieben worden zu sein. Hier darf man sich der Hilfe eines Computers oder einer Schreibmaschine bedienen. Der Notar erstellt dann eine Niederschrift über die Errichtung des öffentlichen Testaments. Diese wird dem Mandanten vorgelesen, von ihm genehmigt und eigenhändig unterschrieben. Die Niederschrift sowie gegebenenfalls das übergebene Schriftstück leitet der Notar schließlich zur amtlichen Verwahrung an das Amtsgericht, in dessen Bezirk er seinen Sitz hat, weiter.

Gemeinschaftliches Testament

Ehegatten sowie eingetragene Lebenspartner können ein gemeinschaftliches Testament verfassen. Dies kann in privater und auch in öffentlicher Form geschehen. Es ist ratsam, es zusammen mit einem Rechtsanwalt oder Notar anzufertigen. So ist es etwa beim „Berliner Testament“ unter Ehepartnern möglich, sich gegenseitig als Erben einzusetzen, vorausgesetzt die berechtigten Erben (Kinder) verzichten auf ihren Pflichtteil.

Widerruf

Es gibt viele denkbare Szenarien, die den Wunsch nach einer Änderung des Testaments wecken können. Jedes Testament, auch ein öffentliches, kann durch Errichtung eines neuen Testaments geändert oder aufgehoben wer- den. Bei öffentlichen Testamenten genügt zum Widerruf die Abholung aus der amtlichen Verwahrung. Bei mehreren im Nachlass gefundenen Testamenten verliert das frühere durch das spätere allerdings nur in den Punkten seine Gültigkeit, in denen es mit ihm im Widerspruch steht, oder aber, wenn frühere Anordnungen ausdrücklich aufgehoben wurden. Will man ein altes Testament widerrufen, ist es daher am sichersten, es zu vernichten und ein neues Testament zu verfassen.

Erbvertrag

Der Erbvertrag ist - neben dem Testament - eine weitere Möglichkeit einer Verfügung zwischen dem Erblasser und den Erben. Er muss vor dem Notar geschlossen und kann vom Erblasser alleine nicht widerrufen oder geändert werden. Überdies bietet er - anders als das Testament - die Möglichkeit, den Erben schon vor Eintritt des Erbfalls zu Leistungen zu verpflichten. So kann darin etwa geregelt werden, dass der Erbe dem Erblasser bis zu seinem Lebensende ein Wohnrecht oder Unterhaltszahlungen zu gewähren hat. red