Rainer W. Markgraf

Rainer W. Markgraf

* 14.11.1956
† 18.03.2015
Erstellt von Nordbayerischer Kurier
Angelegt am 21.03.2015
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Nordbayerischer Kurier

vom 18.03.2016

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Bayreuther Bauunternehmer Markgraf gestorben

26.03.2015 um 16:31 Uhr von Lars

Bayreuth/Immenreuth. Trauer, Fassungslosigkeit, Schock: Die rund 750 Mitarbeiter des Bauunternehmens Markgraf fühlen sich wie 'in einem schlechten Film', sagte einer von ihnen. Der geschäftsführende Gesellschafter Rainer W. Markgraf ist am Mittwoch überraschend im Alter von nur 58 Jahren gestorben.

Wer mit Rainer W. Markgraf zu tun hatte, der spürte schnell, dass ihm vor allem zwei Dinge wirklich wichtig waren: Sein Unternehmen und hier besonders die rund 750 Mitarbeiter sowie eine positive Entwicklung der Region. Dabei verkörperte der Bauunternehmer etwas ganz Besonderes: Er war überzeugter Oberfranke und Oberpfälzer zugleich. Am 14. November 1956 in Mönchengladbach geboren, zogen seine Eltern bereits 1957 mit Rainer W. Markgraf nach Immenreuth, wo er bis zu seinem plötzlichen Tod wohnte. 1991 war er ins Unternehmen eingetreten, zuvor hatte er in München und Wien Bauingenieurwesen studiert.

 

Dass er ein besonderes Verhältnis zu der oberpfälzischen 1800-Einwohner-Gemeinde Immenreuth an der Grenze zu Oberfranken hatte, zeigt einer seiner Aussprüche. Vom 'Herz und Kraftzentrum' sprach er oft. Damit meinte er zwar vor allem den dortigen Unternehmensstandort, an dem unter anderem ein großes Beton-Fertigteilwerk, die Unternehmenslogistik, der Stahlbau und die große Werkstatt angesiedelt sind, es galt aber auch ein bisschen für ihn selber. Die Mitte der 60er-Jahre nach Bayreuth verlegte Hauptverwaltung, in deren Neu- und Umbau gerade knapp zehn Millionen Euro investiert werden, war für ihn dagegen mit rund 300 Mitarbeitern der Kopf des Unternehmens. In etwa die gleiche Summe soll in Immenreuth investiert werden.

 

Stiftung erst vergangenes Jahr gegründet

 

Die Ehe von Rainer W. Markgraf mit seiner Frau Irene blieb kinderlos. Da er auch in der übrigen Verwandtschaft keinen geeigneten Nachfolger ausmachen konnte, machte sich der Unternehmer im vergangenen Jahr daran, eine Lösung zu finden, die die Firma auch ohne ihn wetterfest machen sollte. Er gründete eine Stiftung, in die er zunächst zwei Drittel seiner Geschäftsanteile einbrachte und die er zudem mit zunächst über zwei Millionen Euro ausstattete. Eine Maßnahme, deren Ausgestaltung sich daran orientierte, was ihm wichtig war. Zum einen, den schon von seinem 2010 verstorbenen Vater Gerhard Markgraf geprägten Unternehmensgrundsatz zu beherzigen, nach dem alle Entscheidungen so zu treffen sind, dass die Firma auch in 40 Jahren noch erfolgreich besteht.

 

Andererseits soll die Stiftung aber auch die Region voranbringen. Stiftungszweck ist es deshalb unter anderem, die „leistungsbereite Jugend in Oberfranken und der Oberpfalz“ zu fördern. Damit meinte der Unternehmer vor allem junge Menschen auf dem Weg zur Fachkraft, die besondere Dinge auf sich nehmen oder besondere Leistungen erbringen.„Wir brauchen auch gute Handwerker und Facharbeiter, nicht nur Akademiker, damit Gesellschaft und Wirtschaft funktionieren“,sagte Markgraf im Oktober in einem Gespräch mit dem Kurier.

 

In der Wissenschaftsstiftung Oberfranken engagiert

 

Zugleich aber engagierte er sich auch stark in der Wissenschaftsstiftung Oberfranken, war hier Vorsitzender des Stiftungsrats. Nur ein Zeichen dafür, dass Markgraf einen übergreifenden Ansatz verfolgte. Und er ging noch weiter, weil er überzeugt war, dass es wichtig ist, gute Leute zu fördern, dass das aber nicht reicht. 'Wir werden gute Leute nur dann bei uns halten oder sogar neue herholen können, wenn wir die Region lebenswert erhalten und machen“, sagte er. Deshalb wollte er sich bei den Projekten, die seine Stiftung fördern könnte, auch nicht zu sehr einschränken. Von Kinderveranstaltungen an Unis über Schülerstudenten in Bayreuth, die Begegnungsstätte Kloster Speinshart oder das Museum der kontinentalen Tiefbohrung in Windischeschenbach bis zum Festival junger Künstler in Bayreuth konnte er sich alles vorstellen. Und noch viel mehr: So lag ihm eines sehr am Herzen: Markgraf wollte ein Filmprojekt umsetzen, das aller Welt die Schönheiten und Vorzüge der Region zeigen sollte. Den Filmemacher dafür hatte er schon.

 

Immenreuths Bürgermeister Heinz Lorenz sagte, die Nachricht vom Tode Markgrafs habe ihn erschüttert und zutiefst betroffen. Es sei ein herber Verlust für die Gemeinde, aber natürlich vor allem für die Familie, der sein tiefes Mitgefühl gehöre. 'Persönlich habe ich Herrn Markgraf in meiner noch relativ kurzen Amtszeit noch nicht so gut kennengelernt', sagte Lorenz, aber: 'In meinem Amt als Bürgermeister gab es natürlich öfters Kontakte. Er war ein engagierter Bürger, der für die Belange des Orts und seiner Vereine immer ein offenes Ohr hatte und der geholfen hat, wenn es nötig war.'

 

Oberbürgermeisterin sehr betroffen

 

Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe teilte mit: „Mit großer Betroffenheit habe ich die Nachricht vom Tod Rainer W. Markgrafs erfahren. Mein Mitgefühl gehört in dieser schweren Stunde seiner Familie. Mit dem Verstorbenen verliert Bayreuth eine der prägenden Unternehmerpersönlichkeiten. Mit großem Geschick und Tatkraft hat er das Bauunternehmen Markgraf als einen der großen Arbeitgeber in unserer Stadt über viele Jahre hinweg erfolgreich geführt. Rainer W. Markgraf hat sich zudem unter anderem in vielfältiger Weise für Sportvereine engagiert sowie er auch die Universität unterstützt hat. Für die Stadt war Markgraf bei vielen kommunalen Bauprojekten stets ein verlässlicher Partner. Er wird uns fehlen.“

Was auch für viele Institutionen gilt, in denen Markgraf Ehrenämter innehatte. Hier ein Auszug: Beiratsmitglied bei der IHK für Oberfranken sowie im Bayerischen Bauindustrieverband; Vorstandsmitglied im Verband der bayerischen Wirtschaft (vbw); Bezirksvorsitzender im Wirtschaftsbeirat Bayern; Vorsitzender des Stiftungsrats der Wissenschaftsstiftung Oberfranken.

Nordbayerischer Kurier

vom 25.03.2015

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vom 25.03.2015
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